WAS IST “GESTALT”?
 

  • „Gestalt“ wird hier gleichbedeutend mit „Ganzheit“ verwendet. Die germanische Sprachverwandtschaft von whole, Heil und health verweist auf die Erlebnisqualität eines „Ganzen“. Mit Ausnahme der für Menschen unvorstellbaren, universellen Gesamtgestalt ist jeder abgrenzbare Teil immer auch gleichzeitig ein Ganzes. Die Teil/Ganzes-Auffassung hängt von der Perspektive ab. Ein Organ ist für seine Zellen ein Ganzes, für das menschliche Individuum ein Teil. Seine Familie empfindet ein Kind als ein umfassendes Ganzes, für den Staat mag sie eine winzige Teileinheit sein.

 

 

 

  • Wenn es darum geht, ob überhaupt etwas aufgrund seiner besonderen Qualität vom übrigen Hintergrund abgrenzbar erscheint und dadurch für den interessierten Betrachter existiert, wird „Gestalt“ auch synonym mit „Vordergrundfigur“ verwendet. (ek-sistere, lat.= hervor-stehen). Alles Unterscheidbare tritt als „Gestalt“ auf, sei es als Struktur oder als Schwingungsmuster. Die Polarität der Vorder-Hintergrunddynamik wird durch die wertende Bedeutungszuweisung geschaffen – und entsprechend auch wieder aufgehoben.
  • Das (existenz-)philosophische Hintergrundverständnis zum Gestaltbegriff in seiner Ganzheit (als Sein) einerseits und der konkreten Vielheit (als Seiendes) andererseits ist eine Lehre vom Sein (=Ontologie).